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Brasilien Politik

Spaßbremse am Zuckerhut: Rios Bürgermeister legt sich mit Samba-Schulen an

Der erzkonservative Bürgermeister Rio de Janeiros, Marcelo Crivella, hat sich mit den Karnevalisten überworfen. Doch zu Beginn des bunten Treibens am Freitag rudert das Stadtoberhaupt zurück.

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro, für die „Badische Zeitung“.

Mit finsterer Miene durchschritt Marcelo Crivella die Achse des Bösen. Aus reinem Interesse an der Infrastruktur sei er gekommen, hieß es vorher aus dem Umfeld des erzkonservativen Bürgermeisters von Rio de Janeiro. Nun marschiert er das berühmte Sambodrom ab, in dem 70 000 Zuschauer Platz finden und das sich wie eine kerzengerade Verkehrsachse durch das Zentrum der Stadt zieht. Dumm nur, dass Crivella, ein ehemaliger evangelikaler Bischof, vom jecken Treiben unter dem Zuckerhut so überhaupt nichts hält: „Ich war noch nie beim Karneval. Ich bin evangelikal, und er hat nichts mit meiner Welt zu tun“, sagte der Bürgermeister bereits vor einem Jahr. Das wäre in etwa so, als ob sich Münchens Oberbürgermeister dem Oktoberfest oder Kölns Verwaltungschef dem Rosenmontagszug verweigerten.

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Brasilien Politik Regenwald

Das brasilianische Gewissen

Die Politik in Brasilien ist von Korruption geprägt. Marina Silva will das als Präsidentin ändern – wenn sie gewählt wird. Chancen hat sie: Die Brasilianer erinnern sich noch gut daran, was sie 2008 anders machte als der typische Politiker.

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro, für die „Welt“.

Mit ihrem Rücktritt löste Marina Silva vor zehn Jahren in Brasilien ein politisches Erdbeben aus, das die innenpolitische Landschaft des größten Landes Lateinamerikas bis heute prägt. Im Mai 2008 gab die resolute Frau aus dem Amazonas ihr Amt als Umweltministerin ab. Und zwar freiwillig – was in Brasilien nicht den politischen Gepflogenheiten entspricht. Silva wollte die Politik des damaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva von der linken Arbeiterpartei PT nicht mittragen.

Konkret ging es um Lulas umstrittenen „Plan für einen nachhaltigen Amazonas“ – der aber faktisch die Erlaubnis zum Abholzen großer Teile des ökologisch für den gesamten Planeten so wertvollen Regenwaldes bedeutete. Umweltaktivistin Silva konnte sich mit ihrer Vorstellung einer nachhaltigen Umweltpolitik im Kabinett nicht durchsetzen, zog die politischen Konsequenzen und verließ die Regierung.

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Brasilien Korruption Politik

Brasilianer sind von Lula und der Politik enttäuscht

Es gab ein paar Proteste der engsten Anhänger, doch der große Volksaufstand in Brasilien blieb nach der Verurteilung von Lula da Silva aus. Das liegt auch daran, dass im Ausland das Image von Brasiliens Ex-Präsidenten deutlich besser ist, als im eigenen Land.

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro, für die Stuttgarter Nachrichten/Stuttgarter Zeitung.

Rio – Nein, ein Nelson Mandela ist Luiz Inacio Lula da Silva (72) nun wirklich nicht. Und der Vergleich mit dem jahrzehntelang inhaftierten und gefolterten ehemaligen Aktivisten und Politikers Südafrikas, der wenige Stunden nach der Niederlage im Berufungsprozess in Porto Alegre von Lula und seinen Anhängern gezogen wurde, zeigt wie sehr sich Lula inzwischen selbst überschätzt und die Realität verkennt. „Ich bin für ein Luxusapartment verurteilt worden, das ich gar nicht besitze“, zitierten brasilianische Medien Lula am Abend. Die Richter sahen das allerdings ganz anders und verurteilten Lula auch in zweiter Instanz mit 3:0-Richterstimmen, nun sogar zu zwölf Jahren Haft.

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Chile Kirche Papst Franziskus Politik

Franziskus macht sich angreifbar

Die Reise nach Chile und Peru war für das Kirchenoberhaupt der erste Rückschlag in seinem fast fünfjährigen Pontifikat. Und sie birgt ein Risiko mit Langzeitwirkung, meint Tobias Käufer.

Kommentar für die Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten.

Rio de Janeiro – Die achttägige Reise von Papst Franziskus nach Chile und Peru ist eine Zäsur in seinem fast fünfjährigen Pontifikat. Denn erstmals bekam Franziskus auf seinem Heimatkontinent Gegenwind zu spüren. Die Chile-Reise litt nicht nur unter dem geringen Zuspruch in viel zu groß dimensionierten Arealen. Der Papst hat den Missbrauchsskandal um Bischof Juan Barros, dem Opfer vorwerfen, er habe einen straffällig gewordenen katholischen Geistlichen gedeckt, als „Verleumdung“ bezeichnet. Der bislang chilenische Fall bekommt so eine weltweite Tragweite und Franziskus hat sich angreifbar gemacht. Ausgerechnet im Heimatland des Papstes, in Argentinien, dreht sich zudem der Wind. Mit bis zur einer Millionen Pilger aus dem Nachbarland hatte man gerechnet. Es kamen nicht einmal ansatzweise so viele.

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Brasilien Politik

Der rechte Messias

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro will in Brasilien aufräumen. Seine Tabubrüche haben den Ex-Fallschirmspringer in den Umfragen bereits auf Rang zwei katapultiert – besser steht nur ein Mann da, der vielleicht gar nicht antreten darf.

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro, für die „Welt“.

Der Spruch, mit dem Jair Messias Bolsonaro (62) zur Hassfigur der brasilianischen Linken avancierte, ist inzwischen legendär: „Sie verdient es nicht einmal, vergewaltigt zu werden“, sagte Bolsonaro in einer hitzigen Auseinandersetzung im Jahr 2003 zu Maria do Rosário, der Abgeordneten der linksgerichteten Arbeiterpartei PT. Ein typisches Beispiel für die Taktik des Rechtspopulisten, mit gezielten Tabubrüchen die Schlagzeilen zu dominieren.

Immer wieder fällt Bolsonaro mit rassistischen und homophoben Äußerungen auf, er gilt als Anhänger von Folter und der früheren brasilianischen Militärjunta. Wegen seiner verbalen Ausfälle wurde er mehrfach zu Geldstrafen verurteilt, auch aus klassischen Medien schlägt ihm viel Kritik und Ablehnung entgegen. Doch in den sozialen Netzwerken ist er zum populärsten Politiker des Landes aufgestiegen.

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Politik Venezuela Wirtschaft

Der „Soldat des Volkes“ und seine unmögliche Mission

Venezuelas Wohlergehen hängt am Erdölriesen PDVSA. Doch der Staatskonzern ist in Schieflage, weil er von Eliten ausgenommen wurde und der Ölpreis abstürzte. Präsident Maduro kündigt eine neue Revolution an.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die „Welt“.

Nun soll also ein General den maroden Staatskonzern Petróleos de Venezuela (PDVSA) auf Vordermann bringen. Das venezolanische Erdölunternehmen, das einst sprudelnde Gewinne erwirtschaftete, ist zum Problemfall des südamerikanischen Landes geworden. Den Auftrag zum Aufräumen erteilte Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolas Maduro höchstpersönlich. Die Präsenz des venezolanischen Militärs auf allen Ebenen in Politik, Sicherheitsapparat und Wirtschaft erreicht mit der Berufung von Generalmajor Manuel Quevedo zum neuen PDVSA-Chef eine neue Dimension. Seit Ende der lateinamerikanischen Militärdiktaturen wird kein Land Südamerikas so von Generälen dominiert wie Venezuela.

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Korruption Kriminalität Menschenrechte Politik Venezuela Wirtschaft

Leben in Zeiten der Hyperinflation

Die Versorgungskrise hat Venezuela fest im Griff. Es gibt fast nichts mehr zu kaufen, nur der Schwarzmarkt blüht. Eine Reise durch ein Land, in dem man 48 Jahre für ein Smartphone arbeiten muss.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die „Welt“.

Ein paar Meter vor der Grenzbrücke Simon Bolivar werden die dicken Geldbündel aus dem Rucksack geholt. In abgezählten Paketen wechseln 1000- und 5000-Bolivar-Scheine den Besitzer. Für umgerechnet zehn Euro in kolumbianischen Peso gibt es hier fast 200.000 venezolanische Bolivar, ein bisschen mehr als der monatliche Mindestlohn. Zwei der dicken Bündel verschwinden links und rechts in der Hosentasche, der Rest wird im Rucksack versteckt.

Es ist Sonntagmorgen kurz nach sieben Uhr. Schon jetzt drängeln sich Hunderte Venezolaner auf der Brücke, sie alle wollen den letzten entscheiden Schritt in Richtung Kolumbien tun. In der Gegenrichtung ist es dagegen still. Der freundliche Grenzbeamte erschrickt fast ein wenig, als unsere Gruppe deutscher Touristen über Cucuta nach San Cristobal einreisen will. In dem kleinen Raum arbeitet sonst niemand mehr, die anderen sechs Stühle sind frei.

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Honduras Politik

Honduras: Kleines Land mit großer Wirkung

Auch wenn sich der Amtsinhaber Juan Orlando Hernandez ebenfalls als Wahlsieger ausruft: Stimmen die vorliegenden Zahlen, dann hat Salvador Nasralla mit 45 Prozent die Präsidentschaftswahlen in Honduras gewonnen.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Wiener Zeitung.

Der Kandidat des Linksbündnisses „Oppositionelle Allianz gegen die Diktatur“ hätte damit vor allem internationale Beobachter Lügen gestraft: Die hielten einen Wahlerfolg der Opposition aufgrund eines korrupten Wahlsystems gar nicht für möglich. Der konservative Amtsinhaber Hernandez, der nur aufgrund eines juristischen Winkelzuges erneut hatte antreten können, obwohl dies die Verfassung eigentlich gar nicht vorsieht, ist mit 40 Prozent geschlagen. Die Vorverurteilung des mittelamerikanischen Landes und seiner Institutionen ist damit widerlegt. Auch ein oppositioneller Kandidat kann in Honduras Wahlen gewinnen, sollte es keine überraschende Wende bei den Ergebnissen mehr geben.

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Argentinien Politik

Argentinien: U-Boot-Desaster erreicht die Politik

Argentinien sucht noch immer nach verschollenen Seeleuten – Opposition wirft der Regierung vor, ein „Stück Müll“ zum Einsatz geschickt zu haben.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Stuttgarter Nachrichten.

Buenos Aires – Mit jedem Tag, an dem keine neuen Signale vom seit über einer Woche vermissten argentinischen U-Boot ARA San Juan gefunden werden, sinkt die Chance, dass die 44 Besatzungsmitglieder noch lebend geborgen werden können. Dafür hat die politische Abrechnung rund um das weltweit beachtete Drama bereits begonnen. Die Regierung von Präsident Mauricio Macri fürchtet, dass die bislang glücklose Rettungsaktion auf sie selbst zurückfällt. Das regierungsnahe Blatt „Clarin“ spekuliert bereits darüber, dass Macri einen kompletten Austausch der Marinespitze erwägt. Im Casa Rosasda, dem argentinischen Präsidentenpalast in Buenos Aires, sei das Kabinett Macri alles andere als überzeugt vom Auftreten der Admiralität.

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Farc Kolumbien Politik

Kolumbien: Ein Land wird rückfällig

Vor einem Jahr wurde der Friedensvertrag unterzeichnet, die entwaffneten Farc-Rebellen sollten ihren Weg zurück in die Gesellschaft finden. Doch es gibt kaum Perspektiven – und der lukrative Kokainhandel lockt.

Nicht alle FARC-Kämpfer folgen der weißen Flagge der ehemaligen Guerilla-Organisation. Foto: Tobias Käufer

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Welt.

Die vielen Regenfälle der vergangenen Wochen lassen die Räder tief in den Matsch einsinken. Die seit einem Jahr versprochene asphaltierte Straße gibt es immer noch nicht. Fast zwei Stunden dauert die Fahrt vom kolumbianischen Provinzstädtchen Mesetas ins Übergangslager „Mariana Paez“ der entwaffneten Guerilla-Organisation Farc im Departement Meta, wenn die Reifen nicht ganz im Morast stecken bleiben.

Gleich nach dem Eingangstor grüßen lebensgroße Pappfiguren der ehemaligen Kommandanten Alfonso Cano und Manuel Marulanda sowie eine Handvoll Propaganda-Plakate. Ein paar Guerilleros kicken in der Mittagspause auf dem Bolzplatz, andere dösen in der Hitze auf den Stühlen vor ihren Hütten.

Statt Aufbruchsstimmung herrscht in Mesetas wie in vielen anderen Lagern Ernüchterung. Das ist für das Jahrhundertprojekt Friedensprozess in Kolumbien eine große Gefahr, denn nicht wenige Rebellen sehnen sich zurück in die Zeit der klaren Marschbefehle und der sicheren Einnahmen aus dem Kokain-Geschäft.

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