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Chile Politik

Die Entsorgung des alten Europa hat längst begonnen

Von Tobias Käufer

Um 19.50 Uhr bricht das Feuer aus. Schnell fressen sich die Flammen durch den Kirchturm, der beißende Rauch zieht durch das Viertel von Chiles Hauptstadt Santiago. Dutzende Feuerwehrleute sind im Einsatz, aber als es Nacht wird, bricht der Kirchturm in sich zusammen. Eine der ältesten Sakralbauten der chilenischen Hauptstadt aus dem Jahr 1876, die Mariä-Himmelfahrts-Kirche, brennt bis auf die Grundmauern ab.

Die Bilder der brennenden Kirche am Jahrestag des Beginns der Massenproteste gehen um die Welt. Sie sind ein Vorgeschmack auf das, was der Anden-Nation noch bevorstehen könnte: ein gesellschaftlicher Sturm, der alles hinwegfegt, was irgendwie nach christlich-europäischen Machtstrukturen der vergangenen Jahrhunderte aussieht. Die Entsorgung dieses alten Europa hat längst begonnen, Kollateralschäden inklusive. Hier weiterlesen

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Brasilien Politik

Brasilien in der Coronakrise Bolsonaros Absturz

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro schert sich wenig um die Gefahren einer Corona-Pandemie. Das könnte sein politisches Ende einläuten, kommentiert Tobias Käufer

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Kolumbien Menschenrechte Politik Venezuela

Exodus mit Explosionsgefahr

Die venezolanische Flüchtlingskrise belastet die Beziehungen zum Nachbarland Kolumbien.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Badische Zeitung.

Die katastrophale Versorgungs- und Sicherheitslage in Venezuela treibt täglich Tausende Menschen über die Grenze ins Nachbarland Kolumbien. Offiziell leben dort derzeit 550 000 Venezolaner. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Es kommt zu Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung.

Schon die Botschaften unterscheiden sich dies- und jenseits der legendären Grenzbrücke Simon Bolívar im kolumbianischen Grenzstädtchen Cucuta. Auf venezolanischer Seite ermahnt ein Plakat zur Disziplinierung: Hier wird nicht schlecht über den 2013 verstorbenen Revolutionsführer Hugo Chavez geredet, steht dort zu lesen. Auf kolumbianischer Seite heißt es: „Willkommen venezolanische Brüder und Schwestern.“

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Politik Venezuela

Der Anti-Chávez, der Venezuela retten soll

Lorenzo Mendoza, einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes, soll nach Wunsch seiner Anhänger bei der Präsidentenwahl im April als Oppositionskandidat antreten. Doch der 52-Jährige hat viel zu verlieren.
Von Tobias Käufer, Bogota, für die „Welt“.

Die Stimmung ist euphorisch im Stadion von Valencia, der drittgrößten Stadt Venezuelas. Die Begeisterung der Zuschauer gilt jedoch nicht der lokalen Baseball-Mannschaft, sondern einem Ehrengast. „Präsident! Präsident!“, rufen die Fans in Sprechchören und meinen Lorenzo Mendoza, Chef des Lebensmittelkonzerns Polar und Sponsor der Baseball-Liga. Sie wünschen sich den 52-Jährigen als Kandidaten bei der Wahl des neuen Staatschefs am 22. April, als Herausforderer von Amtsinhaber Nicolás Maduro, als Gegenpol zum herrschenden Sozialismus à la Hugo Chávez.

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Haiti Korruption NGO Politik

Die weißen Herren von Haiti

Orgien mit Spendengeldern: Oxfam-Mitarbeiter nutzten problematisches Machtgefälle aus.

Von Tobias Käufer für die Wiener Zeitung.

Rio de Janeiro. Es sind Vorwürfe, die Oxfam ins Mark treffen. Vor allem weil die Hilfsorganisation einer der schärfsten Kritiker der Ungleichheit zwischen Reich und Arm auf dieser Welt ist. „Die Schere gehe immer weiter auseinander“, hieß es noch in einer Oxfam-Analyse Mitte Jänner. Die Analyse verliert durch die Geschehnisse in Haiti zwar nicht an Richtigkeit, aber für Oxfam ist es bitter, dass sich ausgerechnet eigene Mitarbeiter im bettelarmen Karibikstaat selbst aus der Position des Wohlhabenden präsentierten und gegen ethische Kodexe verstießen.

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Guerilla Kolumbien Politik

ELN-Guerilla in Kolumbien – Wochenende der Angst

In Kolumbien drohen die Friedensgespräche mit der marxistischen ELN-Guerilla zu scheitern. Stattdessen sorgt eine Drohung der Rebellen unter der Zivilbevölkerung für Unruhe.

Von Tobias Käufer, Bogota, für heute.de

Vor ein paar Tagen explodierten in Kolumbien wieder einmal die Bomben. Bei gezielten Terroranschlägen auf Polizeistationen durch die zweitgrößte Rebellengruppe des südamerikanischen Landes, die marxistische ELN-Guerilla, starben mindestens sieben Polizisten. Mehr als 40 Menschen, darunter auch zahlreiche Zivilisten, wurden zum Teil schwer verletzt. Die Anschläge lösten im ganzen Land Entsetzen und Wut aus.
ELN will Einfluss im Drogenhandel

Denn eigentlich verhandelt die ELN-Führung derzeit mit der Regierung von Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos in Ecuador über einen Friedensvertrag. Sie folgt damit dem Muster der erfolgreichen Gespräche des Staates mit der FARC, der größten Guerillagruppe, die inzwischen einen Friedensvertrag unterschrieb und sich als Partei politisch engagiert. Doch die Gespräche in Quito sind ins Stocken geraten, seit rund um den Jahreswechsel der bilaterale Waffenstillstand endete und es zu neuen Gewaltausbrüchen kam.

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Brasilien Politik

Spaßbremse am Zuckerhut: Rios Bürgermeister legt sich mit Samba-Schulen an

Der erzkonservative Bürgermeister Rio de Janeiros, Marcelo Crivella, hat sich mit den Karnevalisten überworfen. Doch zu Beginn des bunten Treibens am Freitag rudert das Stadtoberhaupt zurück.

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro, für die „Badische Zeitung“.

Mit finsterer Miene durchschritt Marcelo Crivella die Achse des Bösen. Aus reinem Interesse an der Infrastruktur sei er gekommen, hieß es vorher aus dem Umfeld des erzkonservativen Bürgermeisters von Rio de Janeiro. Nun marschiert er das berühmte Sambodrom ab, in dem 70 000 Zuschauer Platz finden und das sich wie eine kerzengerade Verkehrsachse durch das Zentrum der Stadt zieht. Dumm nur, dass Crivella, ein ehemaliger evangelikaler Bischof, vom jecken Treiben unter dem Zuckerhut so überhaupt nichts hält: „Ich war noch nie beim Karneval. Ich bin evangelikal, und er hat nichts mit meiner Welt zu tun“, sagte der Bürgermeister bereits vor einem Jahr. Das wäre in etwa so, als ob sich Münchens Oberbürgermeister dem Oktoberfest oder Kölns Verwaltungschef dem Rosenmontagszug verweigerten.

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Brasilien Politik Regenwald

Das brasilianische Gewissen

Die Politik in Brasilien ist von Korruption geprägt. Marina Silva will das als Präsidentin ändern – wenn sie gewählt wird. Chancen hat sie: Die Brasilianer erinnern sich noch gut daran, was sie 2008 anders machte als der typische Politiker.

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro, für die „Welt“.

Mit ihrem Rücktritt löste Marina Silva vor zehn Jahren in Brasilien ein politisches Erdbeben aus, das die innenpolitische Landschaft des größten Landes Lateinamerikas bis heute prägt. Im Mai 2008 gab die resolute Frau aus dem Amazonas ihr Amt als Umweltministerin ab. Und zwar freiwillig – was in Brasilien nicht den politischen Gepflogenheiten entspricht. Silva wollte die Politik des damaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva von der linken Arbeiterpartei PT nicht mittragen.

Konkret ging es um Lulas umstrittenen „Plan für einen nachhaltigen Amazonas“ – der aber faktisch die Erlaubnis zum Abholzen großer Teile des ökologisch für den gesamten Planeten so wertvollen Regenwaldes bedeutete. Umweltaktivistin Silva konnte sich mit ihrer Vorstellung einer nachhaltigen Umweltpolitik im Kabinett nicht durchsetzen, zog die politischen Konsequenzen und verließ die Regierung.

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Brasilien Korruption Politik

Brasilianer sind von Lula und der Politik enttäuscht

Es gab ein paar Proteste der engsten Anhänger, doch der große Volksaufstand in Brasilien blieb nach der Verurteilung von Lula da Silva aus. Das liegt auch daran, dass im Ausland das Image von Brasiliens Ex-Präsidenten deutlich besser ist, als im eigenen Land.

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro, für die Stuttgarter Nachrichten/Stuttgarter Zeitung.

Rio – Nein, ein Nelson Mandela ist Luiz Inacio Lula da Silva (72) nun wirklich nicht. Und der Vergleich mit dem jahrzehntelang inhaftierten und gefolterten ehemaligen Aktivisten und Politikers Südafrikas, der wenige Stunden nach der Niederlage im Berufungsprozess in Porto Alegre von Lula und seinen Anhängern gezogen wurde, zeigt wie sehr sich Lula inzwischen selbst überschätzt und die Realität verkennt. „Ich bin für ein Luxusapartment verurteilt worden, das ich gar nicht besitze“, zitierten brasilianische Medien Lula am Abend. Die Richter sahen das allerdings ganz anders und verurteilten Lula auch in zweiter Instanz mit 3:0-Richterstimmen, nun sogar zu zwölf Jahren Haft.

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Chile Kirche Papst Franziskus Politik

Franziskus macht sich angreifbar

Die Reise nach Chile und Peru war für das Kirchenoberhaupt der erste Rückschlag in seinem fast fünfjährigen Pontifikat. Und sie birgt ein Risiko mit Langzeitwirkung, meint Tobias Käufer.

Kommentar für die Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten.

Rio de Janeiro – Die achttägige Reise von Papst Franziskus nach Chile und Peru ist eine Zäsur in seinem fast fünfjährigen Pontifikat. Denn erstmals bekam Franziskus auf seinem Heimatkontinent Gegenwind zu spüren. Die Chile-Reise litt nicht nur unter dem geringen Zuspruch in viel zu groß dimensionierten Arealen. Der Papst hat den Missbrauchsskandal um Bischof Juan Barros, dem Opfer vorwerfen, er habe einen straffällig gewordenen katholischen Geistlichen gedeckt, als „Verleumdung“ bezeichnet. Der bislang chilenische Fall bekommt so eine weltweite Tragweite und Franziskus hat sich angreifbar gemacht. Ausgerechnet im Heimatland des Papstes, in Argentinien, dreht sich zudem der Wind. Mit bis zur einer Millionen Pilger aus dem Nachbarland hatte man gerechnet. Es kamen nicht einmal ansatzweise so viele.

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