Kategorien
Kolumbien Menschenrechte Politik

Kolumbien: Katastrophales Jahr für die Menschenrechte

Trotz der Pandemie häufen sich in Kolumbien Morde an Menschenrechtlern und neue Massaker sorgen für Angst und Schrecken. Die Regierung bekommt die Gewalt nicht in den Griff – oder will es vielleicht gar nicht?

Von Tobias Käufer (KNA)

Die Zahlen sind verheerend: Elizabeth Betancurt Garcia ist das vorerst letzte Opfer, das die Menschenrechtsorganisation Indepaz in Kolumbien in ihrer Mordstatistik des Jahres 2020 führt. Die Kommunalpolitikerin trägt die Nummer 292 – so viele Menschenrechtsverteidiger wurden seit Jahresbeginn in dem südamerikanischen Land umgebracht. Betancurt wurde am 11. November in der Provinz Antioquia erschossen und gehörte einem kommunalen Frauen-Netzwerk an. Den kompletten Beitrag hier lesen.

Kategorien
Guatemala Honduras Kolumbien Naturkatastrophen Nicaragua

Mittelamerika: Verwüstung, Armut und Corona

Iota und Eta hinterlassen in Mittelamerika Verwüstung und eine politische Debatte. Guatemalas Präsident befürchtet neue Migrationsbewegungen. Nicaragua fordert Klima-Gerechtigkeit. Von Tobias Käufer

Schwere Zerstörungen auf Karibikinsel San Andres y Providencia. Foto: Presidencia

Die Zahlen drücken nur annähernd aus, was die Menschen in Mittelamerika derzeit durchmachen müssen: Erst wurden durch Sturm „Eta“ 200 Menschen getötet und 4,9 Millionen Menschen direkt oder indirekt von den katastrophalen Auswirkungen getroffen. Dann folgte „Iota“ mit Windgeschwindigkeiten von 250 Kilometern pro Stunde.

Corona-Gefahr in überfüllten Notunterkünften 

Er zerstörte unter anderem über 90 Prozent der Infrastruktur auf der kolumbianischen Karibikinsel San Andres y Providencia. Dann zog der Hurrikan weiter Richtung Mittelamerika. Dort sind auch Tage danach noch längst nicht alle Schäden beziffert, weil immer noch Gemeinden in Nicaragua und Honduras von der Außenwelt abgeschnitten sind. Hier weiterlesen.

Kategorien
Kolumbien Politik

Wenn die Quarantäne zur tödlichen Falle wird

Von Tobias Käufer

Carlota Isabel Salinas hat ihre Quarantäne nicht überlebt. Wie fast alle Kolumbianer befolgte die engagierte Frauenrechtlerin die Anordnungen der Behörden und wollte sich nach Ausbruch der Corona-Pandemie in die eigenen vier Wände zurückziehen. Ihre Killer hatten leichtes Spiel. In den Abendstunden des 24. März wurde Salinas direkt vor ihrer Wohnung im Dorf San Pablo im nordkolumbianischen Bundesstaat Bolivar erschossen. Salinas war Frauenrechtlerin der Nichtregierungsorganisation Femenina Popular. Ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit in der Unruheprovinz war ihren Gegnern ein Dorn im Auge. Hier weiterlesen

Kategorien
Kolumbien Menschenrechte Politik Venezuela

Exodus mit Explosionsgefahr

Die venezolanische Flüchtlingskrise belastet die Beziehungen zum Nachbarland Kolumbien.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Badische Zeitung.

Die katastrophale Versorgungs- und Sicherheitslage in Venezuela treibt täglich Tausende Menschen über die Grenze ins Nachbarland Kolumbien. Offiziell leben dort derzeit 550 000 Venezolaner. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Es kommt zu Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung.

Schon die Botschaften unterscheiden sich dies- und jenseits der legendären Grenzbrücke Simon Bolívar im kolumbianischen Grenzstädtchen Cucuta. Auf venezolanischer Seite ermahnt ein Plakat zur Disziplinierung: Hier wird nicht schlecht über den 2013 verstorbenen Revolutionsführer Hugo Chavez geredet, steht dort zu lesen. Auf kolumbianischer Seite heißt es: „Willkommen venezolanische Brüder und Schwestern.“

Hier klicken, um den ganzen Beitrag zu lesen.

Kategorien
Guerilla Kolumbien Politik

ELN-Guerilla in Kolumbien – Wochenende der Angst

In Kolumbien drohen die Friedensgespräche mit der marxistischen ELN-Guerilla zu scheitern. Stattdessen sorgt eine Drohung der Rebellen unter der Zivilbevölkerung für Unruhe.

Von Tobias Käufer, Bogota, für heute.de

Vor ein paar Tagen explodierten in Kolumbien wieder einmal die Bomben. Bei gezielten Terroranschlägen auf Polizeistationen durch die zweitgrößte Rebellengruppe des südamerikanischen Landes, die marxistische ELN-Guerilla, starben mindestens sieben Polizisten. Mehr als 40 Menschen, darunter auch zahlreiche Zivilisten, wurden zum Teil schwer verletzt. Die Anschläge lösten im ganzen Land Entsetzen und Wut aus.
ELN will Einfluss im Drogenhandel

Denn eigentlich verhandelt die ELN-Führung derzeit mit der Regierung von Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos in Ecuador über einen Friedensvertrag. Sie folgt damit dem Muster der erfolgreichen Gespräche des Staates mit der FARC, der größten Guerillagruppe, die inzwischen einen Friedensvertrag unterschrieb und sich als Partei politisch engagiert. Doch die Gespräche in Quito sind ins Stocken geraten, seit rund um den Jahreswechsel der bilaterale Waffenstillstand endete und es zu neuen Gewaltausbrüchen kam.

Hier klicken, um den ganzen Beitrag zu lesen.

Kategorien
Drogen Kolumbien

Das dunkle Geheimnis der Luxusjets von Biarritz

Die letzte Lieferung hatte einen Wert von 100 Millionen Euro: 1,2 Tonnen reinstes Kokain. Abflugort war die kolumbianische Touristenmetropole Cartagena, Landeplatz der Flughafen von Bordeaux in Frankreich. Das Transportflugzeug: ein gecharterter Luxusjet.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Tageszeitung „Die Welt“.

Die in der Regel gut informierte Investigativredaktion der kolumbianischen Tageszeitung „El Tiempo“ hat einen neuen Weg nachgezeichnet, den kolumbianischen Drogenkartelle nutzen, um Kokain nach Europa zu schmuggeln. Die Journalisten berufen sich dabei auf Quellen aus der amerikanischen, europäischen und kolumbianischen Drogenfahndung, die einer neuen Vertriebsroute auf die Spur gekommen sind. Das weiße Gold wird neuerdings offenbar in Luxusjets direkt aus Cartagena nach Europa geflogen.

Weiterlesen: Das dunkle Geheimnis der Luxusjets von Biarritz

Kategorien
Farc Kolumbien Politik

Kolumbien: Ein Land wird rückfällig

Vor einem Jahr wurde der Friedensvertrag unterzeichnet, die entwaffneten Farc-Rebellen sollten ihren Weg zurück in die Gesellschaft finden. Doch es gibt kaum Perspektiven – und der lukrative Kokainhandel lockt.

Nicht alle FARC-Kämpfer folgen der weißen Flagge der ehemaligen Guerilla-Organisation. Foto: Tobias Käufer

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Welt.

Die vielen Regenfälle der vergangenen Wochen lassen die Räder tief in den Matsch einsinken. Die seit einem Jahr versprochene asphaltierte Straße gibt es immer noch nicht. Fast zwei Stunden dauert die Fahrt vom kolumbianischen Provinzstädtchen Mesetas ins Übergangslager „Mariana Paez“ der entwaffneten Guerilla-Organisation Farc im Departement Meta, wenn die Reifen nicht ganz im Morast stecken bleiben.

Gleich nach dem Eingangstor grüßen lebensgroße Pappfiguren der ehemaligen Kommandanten Alfonso Cano und Manuel Marulanda sowie eine Handvoll Propaganda-Plakate. Ein paar Guerilleros kicken in der Mittagspause auf dem Bolzplatz, andere dösen in der Hitze auf den Stühlen vor ihren Hütten.

Statt Aufbruchsstimmung herrscht in Mesetas wie in vielen anderen Lagern Ernüchterung. Das ist für das Jahrhundertprojekt Friedensprozess in Kolumbien eine große Gefahr, denn nicht wenige Rebellen sehnen sich zurück in die Zeit der klaren Marschbefehle und der sicheren Einnahmen aus dem Kokain-Geschäft.

Weiterlesen: Ein Land wird rückfällig

Kategorien
Kolumbien Politik

Kein wirklicher Friede in Kolumbien

Die Mörder kamen mit dem Motorrad: Luz Yeni Montano, Menschenrechtsaktivistin, ist vorerst das jüngste Opfer in der neuen Gewalteskalation in Kolumbien. Die Täter konnten unerkannt entkommen.

Von Tobias Käufer, Bogota, für die Wiener Zeitung.

Derzeit herrscht eine brutale Menschenjagd in Kolumbien obwohl es in dem südamerikanischen Land eigentlich seit einem Jahr Frieden gibt. Allein seit Jahresbeginn wurden 120 Menschenrechtsverteidiger wie Montano ermordet, die meisten offenbar von neuen paramilitärischen Gruppen.

Weiterlesen: Kein wirklicher Friede in Kolumbien

Kategorien
Farc Kolumbien Politik

Immer mehr FARC-Rebellen fliehen vor dem Frieden

Nicht alle FARC-Kämpfer folgen der weißen Flagge der ehemaligen Guerilla-Organisation. Foto: Tobias Käufer[/caption]In Kolumbien schleppt sich die Integration ehemaliger FARC-Guerilleros dahin. Viele Rebellen zieht es zurück in die Berge – ihre Kommandanten liebäugeln mit politischen Karrieren.

Von Tobias Käufer, Bogota, für heute.de

Nicht alle FARC-Kämpfer folgen der weißen Flagge der ehemaligen Guerilla-Organisation. Foto: Tobias Käufer

Es sind keine guten Nachrichten, die Carlos Alfonso Negret seinen Landsleuten zu verkünden hat. „Wir sind sehr besorgt über die Dissidenten der FARC“, sagte der Ombudsmann für Menschenrechte vor wenigen Tagen gegenüber internationalen Journalisten. Die Zahl derjenigen, die sich dem Friedensprozess verweigern und stattdessen in die Berge zurückgehen, soll laut Negrets Erkenntnissen auf rund 800 Kämpfer angestiegen sein.

In Übergangslagern fehlen Strom und Wasser

In Kolumbien nennen sie diejenigen Rebellen, die sich dem Friedensprozess mit der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos verweigern, die „Dissidencia“. Wenige Wochen nach dem Umzug der rund 8.000 Rebellen zeigte sich das kolumbianische Verteidigungsministerium noch zuversichtlich, sprach von gerade einmal 200, 300 Rebellen die ihre Waffen nicht niederlegen wollen. Friedensnobelpreisträger Santos hatte eine eindeutige Botschaft für diesen Teil der FARC. „Auf sie wartet das Gefängnis oder das Grab“, so Santos.

Nun schwanken die Zahlen: Die International Crisis-Group sprach zuletzt sogar von 1.000 Rebellen, die es wieder an die Waffen zieht. In anderen Berichten ist sogar von bis 1.500 Guerilleros die Rede, die wieder kämpfen wollen.

Weiterlesen: Immer mehr FARC-Rebellen fliehen vor dem Frieden

Kategorien
Kolumbien Menschenrechte

Deutsch-Kolumbianisches Friedensinstitut Capaz holprig gestartet

Im Januar eröffnete der damalige Bundesaußenminister Steinmeier das deutsch-kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ. Seitdem ist es still um das Projekt geworden. Ein Ortstermin bei Geschäftsführer Carlos Nupia.

Eröffnung des Friedensinstituts „Capaz“ in Bogota. Foto: Tobias Käufer

Von Tobias Käufer (KNA)

Bogota (KNA) Für den damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier war es seine letzte Auslandsreise als Chefdiplomat der Bundesrepublik. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota würdigte der heutige Bundespräsident im Januar den Friedensprozess in dem südamerikanischen Land. Hochoptimistisch gab der SPD-Politiker damals den offiziellen Startschuss für das deutsch-kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ. Selbst die deutsche Botschaft war von der Initiative überrascht. Einige Mitglieder mussten eigens dafür aus dem Urlaub geholt werden, um die Eröffnungsfeier mit weißen Ledersitzen und Fingerfood in Windeseile aus dem Boden zu stampfen. „In Deutschland haben Sie einen Partner, einen Partner für den Frieden“, versprach Steinmeier bei der Gelegenheit.

Danach aber wurde es still um CAPAZ. Kaum Nachrichten auf der Internetseite, die deutsche Botschaft verschickte gerade mal eine Pressemitteilung über ein Fortbildungsprojekt für Kleinbauern. „In der Tat war der Anfang etwas holprig“, räumt CAPAZ-Geschäftsführer Carlos Nupia (46) im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bogota ein. „Aber es galt erst einmal einige organisatorische Hindernisse aus dem Weg zu räumen und personelle Entscheidungen zu treffen. Und wir wollten sorgfältig entscheiden.“ Nun sind die ersten Stellenausschreibungen draußen. „Wir bekommen bereits viele Anfragen aus Deutschland“, berichtet Nupia.

Inzwischen ist CAPAZ einige Schritte vorangekommen. Unter anderem wurden elf kleinere Projekte und Workshops bestätigt, die sich zum Beispiel mit der historischen Aufarbeitung des bewaffneten Konflikts, aber auch der Sicherheitssituation im Land beschäftigen. „Unser wissenschaftliches Ziel ist die Zusammenführung von Wissen der Universitäten in Deutschland und Kolumbien“, so Nupia. Frieden sei ein sehr komplexes und kompliziertes Thema. Deutschland sei ein idealer Partner, denn das Land habe in seiner Geschichte selbst Erfahrungen zum Thema Versöhnung und Aufarbeitung gemacht. Einmal nach dem Zweiten Weltkrieg, ein anderes Mal nach der Wiedervereinigung. Aufgabe von CAPAZ sei es, diesen Prozess kritisch und wissenschaftlich zu begleiten.

Dr. Carlos Nupia
Leiter des Friedensinstituts Capaz in Bogota. Foto: KNA/Käufer

In Deutschland gehören die Georg-August-Universität Göttingen, die Justus-Liebig-Universität in Gießen, die Freie Universität Berlin, die Albert Ludwigs Universität Freiburg und das Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) zum akademischen Netzwerk. In Kolumbien bilden die Nationale Universität, die Universität de los Andes, die Universitäten Rosario und Externado de Colombia sowie die Päpstliche Universität Javeriana das Gegenstück.

Nupia selbst kennt Deutschland aus eigener Erfahrung, unter anderem aus seiner Zeit an der FU Berlin. Und Deutschland ist der wichtigste Geldgeber des Instituts. Allerdings soll der Etat keineswegs 14 Millionen Euro betragen, wie deutsche Portale jüngst berichteten. „Gesichert ist ein finanzieller Rahmen von 400.000 Euro jährlich für die Phase des Institutsaufbaus. Danach muss neu verhandelt werden“, sagt Nupia. Was am Ende der Aufbauphase im September 2019 kommt, muss die Politik entscheiden.

Entschieden ist auch die physische Heimat des Instituts: Untergebracht werden die Büros von CAPAZ im Klosterhof San Augustin in der Nationalen Universität in Bogota. Die hitzige Debatte um den Friedensprozess in Kolumbien verfolgt Nupia nicht nur aus akademischen Interesse: „Ich bin in erster Linie Kolumbianer und ich hoffe, dass dieser Prozess erfolgreich umgesetzt werden kann. Das wäre für mein Land ein großer Schritt in eine bessere Zukunft.“